Bei den Frauen geht alles, bei den Männern traut sich keiner...

Traditionell fanden am Freitag und Sonnabend nach Himmelfahrt die 9. International Offenen Deutschen Meisterschaften für Frauen- und Männerpaare in den Standard- und Lateinamerikanischen Tänzen statt.
 
 

Bereits zum 9. Mal seit 2005 und bereits zum 2. Mal in Berlin trafen sich Equality-Paare aus 9 Nationen, um ihre Meister- und Meisterinnen-Paare zu ermitteln. Zwei Tage im Jahr, die fest in den Turnierkalendern der Tänzerinnen und Tänzer eingeplant sind. Und auch dieses Jahr wurden sie nicht enttäuscht: Spannende Wettkämpfe, eine tolle Atmosphäre, Begegnungen mit Freunden und viele Gelegenheiten, neue Kontakte zu knüpfen.

Bereits am Donnerstagnachmittag mit Vorabend-Check-in, Practice in den unterschiedlichen Sektionen, einem Gläschen Sekt und Pfannkuchen (nicht-Berliner sagen dazu auch "Berliner") konnte man sich auf die kommenden Tage einstimmen. Während im alten Vereinsheim schon gefeiert wurde, waren nebenan in den Räumen des TiB 1848 e.V. noch viele fleißige Hände am wirken und brachten die Wettkampfstätte in Form. Und wer uns kennt, weiß, wir lieben es farbig! Das kalte weiße Licht der Leuchtstoffröhren wird durch pinkfarbene Folie entschärft, schwarz-rot-goldene Fähnchen grüßten von der Decke und die Flaggen der 16 Bundesländer schmückten die Stirnseiten des Saals. Regenbogenfahnen überall und auch die wunderbaren Blumengestecke am Eingang strahlten in Pink. Kein Wunder also, dass man sich auf die Wettbewerbe freute und versprach, sein Bestes zu geben, um auch ein wenig "zu strahlen".

Freitag, 9 Uhr– für manche sehr früh am Morgen – füllte sich langsam der Saal. Man sah es vor allem den Frauen an, dass manche schon sehr viel zeitiger aufgestanden waren. Aber das Makeup saß und brachte noch mehr Farbe ins Spiel.
Am Vormittag standen zwei Wettbewerbe auf dem Programm: Senioren Männer Standard und Frauen Latein. Nach kleinen Startschwierigkeiten – auch für die Musikanlage war es wohl noch zu früh – nach Generallook und Sichtungsrunden tanzten dann die Herren und die Damen jeweils in drei Klassen (C bis A).
Den Siegerinnen und Siegern an dieser Stelle unseren herzlichen Glückwunsch:
 
Frauen 35+ Latein
C: Stephanie Hendrichs & Ruth Schuster TSC conTAKT Düsseldorf e. V.
B: Dörte Lange & Ingeborg Petersen TTC Rot-Gold Köln
A:Angelina Brunone & Sabine Keldenich TTC Rot-Gold Köln

 

Männer 35+ Standard
C: Frank Schnur & Arne Kapteina pinkballroom der TiB 1848 e.V. Berlin
B: Christian Pohl & Marc Schleuter TTC Rot-Gold Köln
A: Peter Becker & Stefan Schlattmeier Warminia Bielefeld und Grün-Gold Herford

 

Die jeweils besten Deutschen Paare der höchsten Klasse (in der Regel die A-Klasse) einer Sektion sind die Deutschen Meister 2013.
 
Mit Spannung wurden dann die Turniere am Nachmittag erwartet: Hauptgruppe Frauen Standard und Männer Latein. Schon allein die unterschiedlichen Teilnehmerzahlen machten den aufmerksamen Beobachter stutzig: 36 Frauen- und 11 Männerpaare!
 
Bei den Frauen wurden 7 Paare in die D-, 14 Paare in die C-, 4 Paare in die B- und 11 Paare in die A-Klasse gesichtet. Allein diese Zahlen sagen eine Menge über das gegenwärtige Leistungsniveau der Frauenpaare aus. Besonders gespannt waren alle auf die Vorrunden und Finals der A-Klasse und sie sollten nicht enttäuscht werden. Selten haben wir bei einer Meisterschaft ein so geschlossenes Feld gesehen und heimlich hat der eine oder andere wohl gedacht: Ich möchte mich hier als Wertungsrichter nicht entscheiden müssen! Aber die Damen und Herren am Rand der Tanzfläche trafen ihre Entscheidungen mit Sachverstand und Professionalität. Und so erlebten die TeilnehmerInnen und ZuschauerInnen auf der einen Seite eines der aufregendsten Finale auf der anderen Seite aber einen Favoritinnen-Sieg: Caroline Privou & Petra Zimmermann vom TTC Rot-Gold Köln gewannen klar alle 5 Tänze und konnten die Siegestrophäe – dieses Mal tatsächliche eine Miniatur-Siegessäule – in Empfang nehmen. Um wieder etwas Farbe ins Spiel zu bringen: Natürlich war die Siegessäule pink.
 
Wer uns Equality-Tänzer kennt, weiß dass wir offen sind für jedermann und jede Frau, die sich sportlich mit uns messen möchte. Egal ob schwul, lesbisch, hetero, bi oder trans – wir machen die Teilnahme an unseren Turnieren nicht abhängig von irgendeiner sexuellen Orientierung. Und so findet sich dann auch hin und wieder das eine oder andere Paar auf der Startliste, dass sich einfach mal mit unseren Spitzenpaaren messen möchte. So auch in diesem Jahr in der A-Klasse Latein der Hauptgruppe Männer. Eigentlich bräuchte man diesen Fakt gar nicht zu erwähnen, weil wir ihn für normal halten und begrüßen. Leider fiel aber in diesem Jahr dieses Männerpaar am Rande der Veranstaltung durch unsportliches Verhalten auf, so dass auch unsere Toleranz auf eine gewisse Probe gestellt wurde.
Aber zurück zu den Titeln: Auch in der Hauptgruppe A Latein der Männer siegte ein Favoritenpaar: Gilles Hoxer & Pascal Herrbach aus Dänemark und Berlin.
Auch hier noch einmal die Sieger der Nachmittagswettbewerbe:
 
Frauen Hauptgruppe 18+ Standard
D: Kerstin Arkenberg-Alecci & Graziella Alecci TSG Da Capo Ebersberg
C: Antje Reißmann & Annette Niedballa Blau-Silber Berlin Tanzsportclub e.V.
B: Miriam Meister & Angela Pikarski Swinging Sisters Köln/ TSC Excelsior Köln
A: Caroline Privou & Petra Zimmermann TTC Rot-Gold Köln

 

Männer Hauptgruppe 18+ Latein
C: Pascal Cziborra & Sascha Leu Warminia Bielefeld
B: Dominik Langen & Matthias Schmidt Dance Sport Team Cologne e.V.
A: Gilles Hoxer & Pascal Herrbach Dänemark/pinkballroom der TiB 1848 e.V. Berlin

 

Sonnabend – auch wieder früh am Morgen, aber ein Morgen, der einen sehr schönen Frühlingstag versprach. 10 Uhr starteten der Generallook und die Sichtungsrunden der Senioren  Standard der Frauen und Latein der Männer. Auch hier sei mir ein Zahlenvergleich gegönnt: 5 Männerpaaren standen 18 Frauenpaare gegenüber.
So verwundert es auch nicht, dass alle Männerpaare in der B-Klasse starteten, obwohl das spätere Siegerpaar als einziges Paar in die A-Klasse gesichtet wurde. Ingo Jungblut & Peter Dietrich vom TTC Rot-Gold Köln durften dafür dann auch den Pasodoble als Siegertanz zeigen.
 
Frauen 35+ Standard
D: Marita Hillebrand-Stein & Margrit Ahmling frauenTANZschule-Bremen
C: Brigitte Schiewe & Eva Martin TSG Fürth e.V.
B: Silvia Wetzel & Bianca Wetzel frauenTANZschule-Bremen
A: Heidrun Kling & Heike Hämmerer TSG Fürth

 

Männer 35+Latein
B: Ingo Jungblut & Peter Dietrich TTC Rot-Gold Köln

 

Bis hierhin hatten die Organisatoren den Zeitplan fest im Griff und alles schien auch weiterhin wie geschmiert zu laufen, wenn da nicht ab und zu Kollege Computer seinen eigenen Kopf durchsetzen möchte. Kleine Pannen in der EDV und Startnummernvergabe sorgten für ein wenig Hektik im Wettkampfbüro, aber auch hier konnte man das Problem mit einer gewissen Routine lösen. Das stets gut gelaunte DM-Wertungsgericht unterhielt während dieser kleinen Zwangspause das Publikum und die Turnierpaare, indem es seinerseits die Tanzbeine schwang. So konnten dann mit ein wenig Verzögerung die Wettbewerbe am Nachmittag starten. Auf dem Programm standen die letzten beiden Turniere: Hauptgruppe Männer Standard und Frauen Latein. Auch hier verwundert es keinen mehr, wenn die Frauenpaare zahlenmäßig wieder weit vor den Männerpaaren lagen: 27 Frauenpaare in 4 Startklassen und 18 Männerpaare in 3 Startklassen.
Zu diesem Zeitpunkt war auch schon etwas anderes angewachsen: Die Besucherzahlen drohten den Saal zu sprengen. Mehrere hundert Gäste waren angereist, um die Wettkämpfe anzuschauen und ihre Paare anzufeuern. Der Saal im TiB war zu Bersten gefüllt, was der Stimmung allerdings keinen Abbruch tat. Den aktiven Tänzern und Tänzerinnen gefiel diese Atmosphäre sichtlich  und sie fühlten sich zu Höchstleistungen animiert.
 
Die Finals der A-Klassen wurden am Abend im Rahmen des Queer-Galaballs ausgetragen. Beginnend mit einem Solotanz präsentierten sich abwechselnd alle Standard- und Lateinpaare. Die Begeisterung der Zuschauer kannte keine Grenzen, denn sie sahen tolle Tänzerinnen und Tänzer, sportliche Höchstleitungen und eine augenschmeichelnde Ästhetik, die man in anderen Sportarten leider vermisst.
Für den Gesamteindruck war es am Ende fast unwichtig, dass die Favoriten auch dieses Mal gewannen, denn alle 12 Finalisten haben gezeigt, dass wir uns einem tollen Sport widmen, der auf einzigartige Weise künstlerische und sportliche Leistung miteinander verbindet.
 
Frauen Hauptgruppe 18+ Latein
D: Sabine Reichel & Ulrike Gutewort pinkballroom der TiB 1848 e.V. Berlin
C: Antje Reißmann & Annette Niedballa Blau-Silber Berlin Tanzsportclub e.V.
B: Nete Jorgensen & Camilla Jonsson Lund-Kocik
A: Ulrike Hesselbarth & Kristin Marunke pinkballroom der TiB 1848 e.V. Berlin

 

Männer Hauptgruppe 18+ Standard
C: Bernd Müller & Gerhard Hummel L.U.S.T. 2000 e.V. München
B: Christian Pohl & Marc Schleuter TTC Rot-Gold Köln
A: Christian Roman Wenzel & Pascal Herrbach TSC conTAKT Düsseldorf e. V./pinkballroom der TiB 1848 e.V. Berlin

 

Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass natürlich die zahlreich erschienen Gäste die Gelegenheit nutzten, um selbst die Gelegenheit zum Tanzen zu nutzen. Der Galaball bildete den würdigen Abschluss für zwei tolle, erlebnisreiche, aber auch anstrengende Tage des Equalitytanzsports.
 
Nachzutragen sind noch die SiegerInnen bzw. Deutschen Meister der Kombinationswertung:
 
Hauptgruppe Kombination
Frauen Kombination: Platz 1: Beatrix Rencsisovszki & Réka Füleki (Ungarn)
Deutsche Meisterinnen: Kerstin Kallmann & Cornelia Wagner
Herren Kombination: Claus Koggel & Thomas Bensch
 
SeniorInnen Kombination
Frauen Kombination: Dorothea Arning & Almut Freund
Herren Kombination: Claus Koggel & Thomas Bensch
 
Wir möchten die Gelegenheit nutzen, um allen zu danken, die diese Meisterschaft vorbereitet und durchgeführt haben. Neben dem Orgateam von pinkballroom mit all seinen freiwilligen Helfer und Helferinnen, seien auch all die Trainerinnen und Trainer genannt, die die Paare in unzähligen Stunden harter Arbeit auf die Meisterschaften vorbereitet und begleitet haben. Unser besonderer Dank gilt den Damen und Herren, die mit Stift und Papier ausgerüstet, die besten Tänzerinnen und Tänzer ermittelten. Als Wertungsrichterinnen und -richter agierten: Michael Bade – Blau-Weiss Berlin, Walter Bonte – ´s-Hertogenbosch - NL, Anita Eggert – btc Grün-Gold der Turngemeinde in Berlin 1848, Sandra Hartl – TTC Rot-Gold Köln, Vernon Kemp – London - UK, Kathie Krick – TG Blau-Gold St. Ingbert, Niels Menge – TTC Rot-Gold Köln, Ariane Schießler – TC Brillant Berlin und Michael Webel – TSA d. VfL von 1848 Hannover.
 
Stellvertretend für all die fleißigen Helfer am Rande möchten wir Jürgen Beier nennen. Als Anerkennung für seine Arbeit und sein langjähriges Engagement für seinen Heimatverein, den LTV Berlin und den Equality-Tanzsport wurde er im Rahmen des Queer-Galaballs durch Thomas Wehling, dem Präsidenten des LTV Berlin mit der Silbernen Ehrennadel ausgezeichnet.
 
Die 9. Internationalen Offenen Deutschen Meisterschaften sind schon wieder Geschichte. Wir freuen uns auf die nächste Meisterschaft 2014 in Hamburg. Bis dahin haben wir vielleicht auch Gelegenheit über ein paar offene Fragen nachzudenken. Eine Frage möchte ich an das Zitat von Christian Wenzel anschließen, dass ich einem Artikel aus der Berliner TAZ vom 13.05.2013 entnommen habe. Obwohl es dabei um die "Kleiderordnung" bei Equality-Turnieren ging, würde ich gern allgemein fragen: Warum trauen sich die Männer eigentlich nicht? Es ist offensichtlich, dass wir ein Nachwuchsproblem bei den Männerpaaren haben. Also Männer traut euch!
 
Ergebnisse aller Turniere:
Alle Ergebnisse vom 10. und 11.05.2013

Text: Henry Dölitzsch
 
Fotos: Olaf Höch; (Olaf-ist.net)

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