Draußen scheint die Sonne, aber drinnen gibt's mehr Glitter!

Die Eurogames Stockholm – ein Resümee

Tanzspiegel 10/2015 - (c) DTV/TanzspiegelDer Sommer in Stockholm hat uns verwöhnt und der Sommer in Deutschland zwingt uns auch nicht unbedingt in die Arbeitszimmer und an die Schreibtische. Deshalb hier mit einiger Verspätung meine Eindrücke von den Eurogames 2015 in der schwedischen Hauptstadt.

Ein umfassender Bericht mit vielen Details sollte es werden. Aber inzwischen hat wohl jeder und jede, den es interessiert, schon die Blogs und Statements gelesen. Die Ergebnislisten sind ausgewertet. Man hat hin-und-her-gerechnet, welchen Platz man hätte belegen können, wenn...

Fotos und Videos sind inzwischen reichlich in Umlauf gebracht worden und auch hier wartet der oder die Eine darauf, dass doch noch ein schönes Foto von ihr oder ihm erscheint.

Für uns Tänzer waren die Eurogames nicht nur ein Multisportevent, es waren auch die offiziellen Europameisterschaften 2015 im Equalitytanzsport. Und nun, gut 10 Tage nach der Abschlussveranstaltung, fragt mancher sich, was ist von diesem Wettkampf geblieben? Was hat die Eurogames zu etwas Besonderem gemacht. Hat es sich gelohnt? Oder war es doch nur ein Turnier wie viele andere mit einem Rahmenprogramm?
Ich will an dieser Stelle nicht unken. Games (egal ob Euro-, Gay- oder Out-) haben etwas Anziehendes. Wann und wo kann man sich schon mal in einem solch international besetzten Feld mit Sportlern aus aller Welt (inhaltlich zwar nicht ganz korrekt – zumindest im Tanzsport fehlten Afrika und Asien – klingt aber immer gut) messen. Die Teilnehmerzahl war entsprechend hoch, auch wenn manche in Erinnerungen schwelgen mögen: Damals in...
Aber zu einem Fest der LGBT-Comunity gehört mehr als Sport und Party. In einem Bericht las ich, dass die Eurogames in Stockholm eigentlich gar nicht präsent waren. Ein solches Ereignis sollte auf sich aufmerksam machen, nicht durch schwarz-graue Hinweisschilder und verschämt aufgehängte, einzelne Regenbogenfahnen, die auch gleich nach dem Wettkämpfen vor den Messehallen wieder verschwunden waren. Da hat man in Köln oder Cleveland schon anderes erlebt.

Es ist sicherlich ein nicht zu unterschätzender organisatorischer und logistischer Aufwand, ein Multisportevent vorzubereiten und zu organisieren. Und die Stärksten waren die Stockholmer da nicht. Wir hatten den unschätzbaren Vorteil, dass die ESSDA ein kampferprobtes Team hat und die Mannschaft um Hadass Harmon und Davy Brocatus weiß, wie man ein 3-Tage-Turnier vorbereitet und straff durchorganisiert. Ihnen und allen stillen Helfern im Hintergrund schon einmal an dieser Stelle ein herzlicher Dank.

Sportlich brauchen wir uns auch nicht zu verstecken. Das tänzerische Niveau wächst und steigert sich von Mal zu Mal. Und das nicht nur in den A-Klassen. Aber wie misst oder bewertet man das Leistungsvermögen im Equalitytanzen? Andere Sportarten haben ihre Punkte, die Stoppuhr, Metermaß oder Waage. Nicht nur einmal haben sich die Tänzer_innen gefragt: Mit welchem Maßstab werden wir gemessen, nach welchen Kriterien bewertet. Wir können die Frage auch anders formulieren: Was möchten die Wertungsrichter sehen? Einfaches Tanzen mit perfekter Technik? Eine klare Oberlinie? Oder Musikalität? Oder komplizierte Schrittfolgen? Die Wertungen geben allzu oft keine klare Antwort.
Die Wertungsrichter_innen haben während der 3 Wettkampftage einen guten Job gemacht und hatten sichtlich Spaß an ihrer Arbeit. Aber irgendwann werde ich sie doch mal fragen!
Kleine Fehler und Unachtsamkeiten lassen ahnen, dass auch ihnen nichts Menschliches fremd ist. Unser ganz herzlicher Dank geht an Tibor Kocsis, Joachim Boëthius, Pamela McGill, Dawn Vickers, Leeanne Bampton, Marie Pilgaard, Kristian Vellejus, Kathie Krick und Margarita Vyshetravskaya.

Und wenn ich schon mal beim Danke sagen bin, Mette und Csaba haben routiniert und humorvoll moderiert, begeistert hat die Musik, die Avera Bobadilla aufgelegt hat (Danke für den wundervollen LW, den du in einer unserer Sichtungsrunde gespielt hast.) Gilbert Claes hat souverän den Computer bedient.

Nun aber zu den Hauptakteuren und Meister_innen. 10-Tänze, Showtanz, Formation, Standard- und Lateinamerikanische Tänze und das alles in der Hautgruppe und bei den Senior_innen. Man kann leicht den Überblick verlieren. Deshalb an dieser Stelle erst einmal einen herzlichen Glückwunsch an alle, die es aufs Treppchen geschafft haben, egal ob E- oder A-Klasse. Den Titel gab's leider nur für die Sieger_innen der A-Klassen.

Die Europameister_innen

Hauptgruppe
Frauen Standard: Petra Zimmermann und Caroline Privou (Deutschland)
Männer Standard: Stefan Lehner und Axel Zischka (Frankreich)
Frauen Latein: Jazz Munteanu und Karin Herman Schweden
Männer Latein: Esben Weiergang und Gilles Hoxer (Dänemark)
10-Tänze Frauen: Beatrix Rencsisovszki und Reka Fuleki (Ungarn)
10-Tänze Männer: Tim Regan und David Jameson (Großbritannien)
 
Senior_innen
Frauen Standard: Sabine Keldenich und Angelina Brunone (Deutschland)
Männer Standard:  Thomas Nisgaard Brink und Niels Henrik Hartvigson (Dänemark)
Frauen Latein: Sabine Keldenich und Angelina Brunone (Deutschland)
Männer Latein: Gerhard Hummel und Bernd Müller (Deutschland)
10-Tänze Frauen: Sabine Keldenich und Angelina Brunone (Deutschland)
10-Tänze Männer: Gerhard Hummel und Bernd Müller (Deutschland)
 
Showdance Couple: Bradley Stauffer-Kruse und Sören Stauffer-Kruse (Großbritannien)
Showdance Group: Swinging Sisters Köln (Deutschland)

Herzlichen Glückwunsch an alle, die den Pokal mit nach Hause nehmen konnten.

Die ausführlichen Wertungen und Platzierungen gibt es unter dieser Adressse:

http://www.equalitydancing.de/files/Ergebnisse/150806-09_EG-Stockholm/results.html

Für alle, die nicht dabei sein konnten, aber gern das Flair der Eurogames spüren möchten, empfehlen wir den Blog von pinkballroom Berlin unter:

http://www.pinkballroom.de/blog/


Dort findet ihr Links zu Fotos und Videos. Der Tanzspiegel wird in seinen nächsten Ausgaben (regional und im Mantelteil) berichten.

...und was bleibt jetzt nach 3 Tagen Stockholm und fantastischen Wettkämpfen?
Begeisterung für den Equalitytanzsport und die Stadt Stockholm, die tolle Atmosphäre während Wettbewerbe und die Hoffnung, dass diese Begeisterung trägt und sich noch mehr Menschen für diesen wundervollen Sport begeistern können.

Wir wollen unseren Beitrag aber nicht allzu unkritisch schließen, denn ein paar offene Fragen haben wir noch. Und vielleicht gibt es ja den einen oder anderen, der/die uns bei der Lösung helfen kann:

Trotz aller Begeisterung taucht die Frage auf: Brauchen wir eigentlich jedes Jahr ein solch großes Event? Müssen immer alle Startklassen getanzt werden? Ist weniger manchmal mehr?

Wie kann der Informationsfluss im Rahmen der Vorbereitung der Games verbessert werden. Nicht alle haben die notwendige Affinität zu Facebook, Twitter und Co. Spärliche Informationen auf der Homepage der Eurogames haben manche Teilnehmer_in verärgert. Hier noch mal der ausdrückliche Dank an Dörte Lange, die wichtige Dokumente auf der DVET-Homepage zugänglich gemacht hat.

Lässt sich die Organisation straffen? Brauchen wir wirklich drei Tage? Brauchen wir wirklich diese zweite Sichtungsrunde?

Nur die Sieger der A-Klasse dürfen sich Europameister nennen. Warum eigentlich? In Ermangelung eines "richtigen" Punkte- und Aufstiegssystems haben Quereinsteiger und Hobbytänzer, die sich für den Turniertanzsport entscheiden, hier kaum Chancen in der A-Klasse zu tanzen. Also warum darf sich der Sieger in der B-Klasse dann nicht auch Euromeister nennen? Und apropos Siegerehrungen. Was ist da eigentlich schief gelaufen, dass die Platzierten in den unteren Klassen zwar eine Medaille aber keine Urkunde bekommen haben?

Und wie immer am Schluss mein Aufruf an die Männer: Tut etwas, damit sich der Equalitytanzsport nicht zu einer reinen Frauensportart entwickelt. Die Fotografinnen könnten uns da auch ein wenig unterstützen, den die wunderschönen Bilder, die ich bis jetzt gesehen habe, sind doch wieder etwas frauenlastig.
In diesem Sinne verbleibe ich, der um die Gleichberechtigung im Equalitytanzsport kämpfende Pressewart des DVET.

In der Oktober 2015-Ausgabe berichtet auch der Tanzspiegel ausführlich über unsere Europameisterschaften in Stockholm und zwar gleich im ersten, reich bebilderten Beitrag dieser Ausgabe:
http://www.equalitydancing.de/files/Ergebnisse/150806-09_EG-Stockholm/TS-2015-10_EuroGames-Stockholm.pdf (1.644 KB), (c) DTV/Tanzspiegel, Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion gestattet.

Text: Henry Dölitzsch

Geschäftsstelle

Deutscher Verband für
Equality-Tanzsport e.V. - DVET
c/o Dörte Lange
Lindlarer Straße 10
51789 Lindlar

Telefon:   +49 (0)2207 703817
Fax:   +49 (0)3212 1357146
Email:   Kontaktformular

Vertretungsberechtigter Vorstand:
Dörte Lange (Präsidentin)
Jörg Jüngling (Vizepräsident)
Angelina Brunone (Kassenwartin)

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