EuroGames Kopenhagen 2021 - Nachbetrachtungen und alle Ergebnisse

Es passiert relativ selten, dass der letzte Turniertag einer mehrtägigen Equality-Veranstaltung kein Hauptgruppenturnier in Standard oder Latein beinhaltet. In diesem Jahr war dies aber der Fall. Das ist dramaturgisch etwas unglücklich, denn man sieht die ganz großen Highlights halt gern am Schluss, aber auch in dieser Angelegenheit macht Corona alles anders. Zu den Turnieren der EuroGames 2021 passte es hervorragend, einen gemütlichen, entspannten Abschlusstag genießen zu können, an dem die Ellenbogen der Hauptgruppenturniere schon wieder eingefahren waren. Sportlich lag wenig Brisanz in der Luft. In den Senioren-Standardturnieren der Frauen und Männer lief alles nach Plan ab, und man konnte sich am bloßen Zuschauen erfreuen. Was man erstmals auch von einem der hier ebenfalls auf dem Programm stehenden Turniere der Kategorie "Mixed/Non-binary" behaupten konnte. Beim Hauptgruppen-Lateinturnier gab es nicht nur die Kombination führender Männer mit folgenden Frauen im klassischen Mainstream-Turnierlook, sondern auch führende Frauen mit folgenden Männern, ganz spontan zusammengefundene Paare und das einzige "Non-binary-Paar", das das Angebot angenommen hat, in dieser Kategorie anzutreten. Wie groß der sportliche Wert eines dermaßen zusammengewürfelten Turniers sein kann, darüber lässt sich vortrefflich streiten. Schön anzugucken war diese bunte Truppe und deren Tanzen aber allemal, und als Fun-Turnier außerhalb einer offiziellen Wertung wäre so etwas auf alle Fälle eine Bereicherung eines jeden Equalityturniers, bei dem der Zeitplan es zulässt. Dass in den beiden Seniorenturnieren Caroline Privou und Petra Zimmermann am Ende doch noch einen EM-Titel errungen haben und auch Niels Hartvigson mit seinem Tanzpartner Filip Jensen einmal einen offiziellen Meistertitel bekommen hat, gehört auch noch zum heutigen Wohlfühlprogramm. Eigentlich waren die gesamten EuroGames vor allem eine einzige Wellnessveranstaltung und so ziemlich das Gegenteil von dem, was viele von jenen, die zuhaus geblieben sind, aber auch sicher viele der ausländischen Teilnehmer*innen und Zuschauer*innen befürchtet hatten, nämlich "Corona-Games". Man könnte nun anführen, dass Dänemark - anders als Deutschland - eben gerade noch rechtzeitig die epidemische Kurve gekriegt habe und die Vergabe der EuroGames 2021 nach Kopenhagen letztendlich zu einer glücklichen Fügung geworden sei. Ja, Glück war auf alle Fälle dabei. Aber meiner Ansicht nach viel weniger das Glück, dass sich Dänemark in einer signifikant anderen epidemischen Lage befindet als das Glück, dass man in Dänemark eine abweichende Einschätzung zu der Frage hat, was Staat darf, was Staat muss und wann eine Sache ein Ende haben muss. Das hat den deutschen Gästen im wahrsten Sinne des Wortes einige Tage Luft zum Atmen verschafft, und die Heimreise wird den meisten sicher schwergefallen sein. Nach einer weiteren Urlaubswoche steht die Rückkehr in die Maskenrepublik Deutschland nun auch für mich an - und leicht wird mir das nicht fallen. Wie soll es auch rein in einen Kopf, dass in Dänemark auch Ungeimpfte unmaskiert in vollen Bussen und engen Kneipen sitzen können, während ich in der Tagesschau zur offiziellen Gedenkfeier für die westdeutsche Flutkatastrophe im riesigen Aachener Dom geimpfte Politiker*innen einzeln in Reih und Glied mit Maske und Abstand sitzen sehe?

Was wird bleiben von den Tanzturnieren der EuroGames 2021? Als was werden sie in die Geschichte eingehen? Oder wird man sie schnell vergessen, weil man sie wie schon Rom 2019 in die Kategorie "zählt nicht richtig" einsortieren wird? Für einige wird es das Turnier bleiben, bei dem Privou/Zimmermann die erste Niederlage seit der Erfindung des Rades erlitten haben. Für alle wird es hoffentlich jenes Turnier sein, das nach fast eineinhalbjähriger Unterbrechung die Wiederauferstehung des gleichgeschlechtlichen Tanzsports markiert. Für die Anwesenden waren diese EuroGames Balsam auf pandemiegeschädigte Seelen, und für die Abwesenden mögen sie das Signal sein, dass Tanzsport sogar unter "Normalbedingungen" nicht nur denkbar, sondern auch machbar und nicht per se "grob unvernünftig" ist. Funktionär*innen können beruhigt konstatieren, dass die neun vergebenen EM-Titel 2021 an würdige Turniersieger gegangen sind (wobei auch sieben oder elf Titel eine Option gewesen wären), fünf Europameisterpaare und -gruppen von 2017 dürfen nun noch ein weiteres Jahr amtieren, die Deutschen dürfen sich mit vier EM-Titeln und einem weiteren EuroGames-Sieg wieder als erfolgreichste Nation feiern, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass es bis in alle Ewigkeit das kleinste aller EuroGames-Turniere bleiben wird. Das übliche Zählen von Medaillen unterlässt man in diesem Fall auch besser, denn kaum ein Paar ist ohne eine solche aus Kopenhagen zurückgekommen. Es gab viel Wasser von unten und von oben, und so wurde quasi folgerichtig das Hit-Shanty "The Wellerman" zur Hymne der Tage von Kopenhagen, dargeboten als dänischer Linedance zum Mitmachen für Alle. Vermisst hat man neben vielen Tanzpaaren vor allem ein Siegertreppchen und leider auch relativ lange die offiziellen Turnierergebnisse. Aber irgendwie war das diesmal alles nicht so tragisch und dem allgemeinen Wohlbefinden wenig abträglich. Es waren halt ganz spezielle Turniere.

In Deutschland wird es erst im Oktober die ersten postpandemischen Equality-Turniere geben. Dann werden bei uns prozentual mehr Menschen geimpft sein, als dies im August in Dänemark der Fall war. Und dennoch wäre es eine Sensation, wenn das Herbstturnier vom TSC Mondial Köln und die Deutschen Meisterschaften in Darmstadt ganz ohne coronabedingte Einschränkungen stattfinden könnten. Das wäre eine politische 180°-Kehre, mit der nicht zu rechnen ist. Geplant ist die DM derzeit als 3G-Event, aber die Option einer 2G-Veranstaltung ist auch noch nicht vom Tisch. Sollte 2G mit der Erlaubnis einhergehen, hinter der Einlasskontrolle eine DM im geschätzten Normalmodus ohne Masken und Abstand durchzuführen, muss das eine Erwägung wert sein. Gerade jetzt nach Kopenhagen, wo wir gesehen haben, dass es eben doch sehr viel ausmacht, ob Turnierpaare vor einer Wand starrer und stummer Masken agieren oder vor einer Gruppe lächelnder und anfeuernder Gesichter. Auf dass der Geist der "heiteren Spiele von Kopenhagen" zumindest ein wenig auch nach Deutschland überschwappen und einen Ansturm auf die Herbstturniere in Deutschland und Großbritannien auslösen möge.

Text: Thorsten Reulen

Ergebnisse der EuroGames/Europameisterschaften 2021 von Kopenhagen (externer Link auf die ESSDA-Website)

EuroGames Kopenhagen 2021 - Turniertag 2

Nachdem gestern viel zu schreiben war über das Drumherum der EuroGames 2021, soll am zweiten Turniertag der Sport an sich - und etwas Sportpolitik - im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen. Nicht nur, weil das Geschehen am Rande sich auf einem wohltuend "normalen" Stand eingepegelt hat, sondern weil sich das, was sich dort heute in den A-Finals der Hauptgruppenturniere zugetragen hat, von selbst aufdrängt. Denn hier hat sich durchaus Historisches ereignet.

Beginnen wir mit der traditionellen Vorzeigesektion des DVET, dem Standardtanzen der Frauen. Immer mal wieder standen die deutschen Standardtänzerinnen kurz davor, bei einer internationalen Meisterschaft im A-Finale unter sich zu sein, und auch heute wurde das nur durch das mittanzende B-Klassen-Siegerpaar aus der Schweiz verhindert. Die Frage war letztendlich nur, wie die vier deutschen Frauenpaare die Medaillen unter sich aufteilen würden. Spannung um Platz 3 war dabei zu erwarten. Dass es zusätzlich auch noch Spannung um Platz 1 gab, machte die Sache nochmal interessanter. Was hätte das Publikum doch in diesem Moment für eine offene Wertung dieses Finals gegeben. Aber das war noch nie wirklich üblich bei internationalen Equality-Meisterschaften. So hieß es denn relativ lange auf das Ergebnis zu warten. Es brachte den undankbaren Platz 4 für die alten und neuen 10-Tänze-Europameisterinnen Miriam Meister und Angela Pikarski aus Köln und die Bronzemedaille für die Berlinerinnen Tania und Ines Dimitrova, die dadurch einen möglichen "podium sweep" für Nordrhein-Westfalen verhinderten. Dann geschah etwas, was nur langjährige Begleiter*innen des gleichgeschlechtlichen Tanzsports noch in dunkler Erinnerung haben können, nämlich die Verkündung eines 2. Platzes für die mehrfachen Welt- und Europameisterinnen Caroline Privou und Petra Zimmermann. Nicht alle ihre Siege der Vergangenheit waren outstanding. So erinnere ich mich z.B. an ein sehr enges EM-Finale 2015 in Stockholm. Aber bis jetzt hatte Paragraf 3 des Kölschen Grundgesetztes "Et hätt noch immer jot jejange!" noch stets Bestand gehabt. Nun ist der Nimbus dahin, aber Caroline und Petra mögen sich darum nicht allzu sehr grämen, denn sie haben absolut kein schwaches Turnier gezeigt. Überhaupt kann man sagen, dass bei den Standardfrauen wenig zu sehen war von pandemiebedingten Leistungsrückstand. Andere waren heute halt einen Tick besser, in diesem Fall die zweifachen Deutschen Vizemeisterinnen Julia Janssen und Angelika Thumm aus Aachen, denen schon manch einer ein großes Potenzial und eine goldene Equalityzukunft bescheinigt hatte, während andere sie bereits in die Kiste mit der Aufschrift "uneingelöste Versprechen" gesteckt hatten. Oder gleich in die Ecke "Equality-Gelegenheitspaar". Heute nun also der große Coup. Und wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann ist heute zum allersten Mal, seit bei EuroGames Tanzsport stattfindet, der Sieg bei den Standardfrauen nicht nach Köln gegangen. Auch dies eine Serie, die heute zu Ende gegangen ist. Mindestens bis zum Juli 2022 steht dieser virtuelle Pokal nun etwas weiter westlich in Aachen.

Historisches auch bei den Lateinmännern, aber ganz anders. Die Fluktuation unter den Spitzenpaaren ist hier stets größer. Wenn bei einer Equality-WM, -EM o.ä. einmal keine Medaillengewinner des Vorjahres gemeldet sind, dann bedeutet das relativ wenig, denn es tauchen dafür immer wieder neue gute Paare auf, die dann leider auch oft schnell wieder verschwinden oder sich trennen und neu formieren. Vereinzelt gibt es dazu auch noch überraschende Comebacks - selten mit gutem Ausgang. Auch heute war die Ausgangslage - bei insgesamt natürlich niedriger Meldezahl - wieder bunt. Equality-Neulinge stritten mit neu formierten und altbekannten Paaren um die EM-Medaillen. Und wieder fehlte (pandemiebedingt?) ein russisches Paar aus der Startliste, das Mitfavorit gewesen wäre. Mittendrin ein Paar mit einer ganz besonderen tänzerischen Vorgeschichte. Gilles Hoxer und Esben Weiergang aus der Gastgeberstadt Kopenhagen haben über viele Jahre das Geschehen in der Sektion Männer Latein mitgeprägt. Immer mal wieder kurz vor einem Titel stehend, kam dann aber stets irgendetwas dazwischen. Verletzung, Trennung, schwere Krankheit, oder, wie bei der EM 2017, einfach ein neu formiertes Konkurrenzpaar, das vorher keiner auf dem Schirm hatte. Dass diese, eher tragisch anmutende Vorgeschichte nun heute mit dem EM-Titel 2021 doch noch ein goldenes und gutes Ende gefunden hat, berührte nicht nur die mehrheitlich dänische Zuschauerschaft in der Halle, sondern auch langjährige ausländische Begleiter der Turnierszene. Das Nachsehen hatten infolgedessen heute die neuen, die neu formierten und die Allroundpaare. Während die französisch-norwegische Kombintion Julian Aelterman und Vidar David Syvertsen seiner Silbermedaille relativ wenig abgewinnen konnte, gab es unter den deutschen Männern gleich doppelt bzw. vierfach Freude. Ob man in Dänemark die berüchtigte "Rule 11" nicht kennt, nicht anwendet oder diese nicht hinreichend war, weiß ich nicht. Tatsache ist jedoch, dass der 3. Platz geteilt wurde und vier EM-Bronzemedaillen vergeben wurden. Vier deutsche EuroGames-Medaillen bei den Lateinmännern … mir fällt da 2001 (EuroGames Hannover) ein. Vielleicht auch später noch einmal. Auf alle Fälle ist es sehr lange her. Freuen dürfen sich darüber zum einen Markus Ehlert und Christoph Wallner und zum anderen Michael Bartsch und Andy Jekel. Zwei Paare, die wir hoffentlich bei zukünftigen Turnieren in dieser Kombination wiedersehen werden, auf dass es im Bereich Männer Latein in Deutschland in Zukunft auch mal wieder "eine Breite in der Spitze" geben möge.

Nicht unerwähnt bleiben darf nun noch, dass Thomas Bensch und Simone Biagini ihrem EuroGames-Sieg über 10 Tänze der Senioren heute noch den in der Lateinsektion der Senioren hinzugefügt haben. Dass sie damit nun zweifache EuroGames-Sieger 2021, aber weiterhin "nur" einfache Europameister 2021 sind, mag Laien wie Experten überraschen. Recherchen haben ergeben, dass die ESSDA heimlich still und leise beschlossen hat, die seit 2016 geltende Regel, nach der stets das beste europäische Paar einer Sektion unabhängig von der Startklasse zu Europameister*innen zu küren ist, ausgesetzt hat. In Kopenhagen darf in den Spezialsektionen nur Europameister*in werden, wer auch in die A-Klasse gesichtet wurde. Der Hintergrund ist klar, und im Grunde auch nachzuvollziehen. Es war dermaßen unklar, wer sich für Kopenhagen 2021 anmelden würde, dass in der Tat latent die Gefahr im Raum stand, dass C-Paare zu Europameister*innen gekürt werden könnten. Was die Titel von Kopenhagen allgemein entwertet hätte. Allein ..., hätte die ESSDA das nicht den Paaren und den Verbänden vorab mitteilen können? Oder der Ausrichter vorab auf diese pandemisch bedingte Ausnahme hinweisen können oder müssen? So hat das Ganze wieder ein unnötiges Geschmäckle.

Vom zweiten Turniertag der EuroGames 2021 bleibt zusammenfassend festzuhalten, dass es zwei bewegende Hauptgruppenentscheidungen mitsamt großartigen fünf Medaillen für deutsche Paare gab und nebenbei den offensichtlich unvermeidlichen ESSDA-bedingten Nebenschauplatzstress, aus dem sich nun auch die Formulierung ergibt, dass es morgen am letzten Turniertag WAHRSCHEINLICH noch zwei weitere EM-Entscheidungen geben wird. Ganz sicher sagen wird man das erst nach den Sichtungsrunden.

In diesem Sinne: Gute Nacht, Deutschland!

Text: Thorsten Reulen

EuroGames Kopenhagen 2021 - Tag 1

Im Februar 2020 wurden im chinesischen Wuhan Hauseingänge zugemauert, und in London traf sich die Equality-Tanzszene wie in jedem Jahr dicht gedrängt und gut gelaunt an einem ihrer traditionellen Hotspots der Turniersaison, der "Pink Jukebox Trophy". Wer hätte damals gedacht, dass das Wörtchen "Hotspot" danach in ganz anderem Zusammenhang manifest werden sollte und dass es fast eineinhalb Jahre dauern würde, dass in Europa wieder ein Equality-Tanzturnier stattfinden würde?

Und wenn schon, dann auch gleich um EM-Titel. Nach der Absage von Düsseldorf 2020 finden in Kopenhagen nun wieder EuroGames statt. Ob es angemessen sein würde, den dortigen Tanzturnieren einen offiziellen Europameisterschaftsstatus zukommen zu lassen, war aus naheliegenden Gründen keine leichte und vor allem keine langfristig zu treffende Entscheidung. Letztendlich hat sich der europäische Equalityverband ESSDA aber aufgrund des guten Impffortschritts in der EU, zunehmend erlaubter Trainingstätigkeit, abnehmender Reiserestriktionen und der Tatsache, dass bereits Meldungen aus einer bestimmten Mindestzahl von Ländern für die EuroGames-Turniere vorlagen, für die Vergabe der Europameisterschaft nach Kopenhagen 2021 entschieden. Gleichzeitig war klar, dass auch mit EM-Status die Paare Europas nicht gleich wieder in Scharen zusammenströmen würden. Aber wann wäre er gewesen, der vielleicht bessere Punkt zum Wiedereinstieg, und wer hätte ihn wann und wie definieren dürfen? Man hat es also einfach gewagt. Und die lange Zeit seit London 2020 und vor allem die seit der letzten offiziellen Equality-EM (2017!) hat sicher auch eine Rolle gespielt, die erste realistische Chance zu nutzen, wieder loszulegen.

Nun ist er also wieder da, der Equality-Tanzsport. Noch nicht ganz so wie vor der Pandemie, aber immerhin.

Wie aus Kopenhagen gewohnt, ist alles sehr liebevoll gemacht, und ich würde sogar die Formulierung "entspannt und locker" wagen, und doch ist eben so einiges gerade nicht "wie gewohnt". Auf der einen Seite ist es extrem wohltuend, dass hier weder Paare noch Zuschauer Masken tragen müssen und es keine Zugangsbeschränkungen gibt, auch wenn ich persönlich ein 3G-Event bevorzugt hätte. Auf der anderen Seite hebt das nicht das pandemische Verhalten der Beteiligten auf, und wenn man an diesem ersten Turniertag ganz genau hinschaut, dann sieht man, dass sich die Beteiligten halt eben nicht wie früher ständig umarmen oder auf die Schulter klopfen. Das ist schon etwas unheimlich, weil man es von den gleichen Leuten anders gewohnt ist. Wobei ich da nicht falsch verstanden werden will. In Dänemark hat man per se keine Angst mehr vor dem Coronavirus. Sobald man aus dem Flughafenterminal heraustritt, kann die Maske ins Gepäck, bis man das Land wieder verlässt. Auch im Öffentlichen Verkehr müssen seit Beginn dieser Woche keine Masken mehr getragen werden, und fast niemand tut es freiwillig von sich aus. Die Impfquote ist hoch und das Gut der persönlichen Freiheit hat in Skandinavien generell einen besonders hohen Stellenwert. Dass hier in der Halle dennoch nicht die Mäuse auf dem Tisch tanzen, hat viel mit der Anwesenheit von Ausländern, ebensoviel mit Respekt und ein bisschen auch mit Praktikabilität zu tun. Wer will schon ständig alle möglichen Leute fragen, ob es für sie in Ordnung ist, ihnen näher als 80cm zu kommen? Da bleibt man halt gleich etwas auf Abstand.

Die Startfelder des ersten Tages sind sehr übersichtlich, um es vorsichtig auszudrücken. Die HGR Frauen Latein fand mit gerade einmal 6 Paaren statt und die HGR Männer Standard mit 5 Paaren. Bei den 10 Tänzen heute Vormittag waren es insgesamt (Frauen und Männer, Hauptgruppen und Senioren) 5 Paare, von denen auch noch eines wegen Verletzung abgebrochen hat. Nichtsdestotrotz werden wir hier im Verlauf der drei Turniertage kaum unwürdige Titelträger*innen erleben, denn durch die Ausrufung einer offiziellen EM (inkl. 9 internationalen Wertungsrichter*innen an der Fläche) hat es einige "meisterschaftsaffine" Spitzenpaare hierher verschlagen, die auch bei einer nichtpandemischen Meldelage gute Sieges- oder Medaillenchancen gehabt hätten. Womit die Befürchtung vom Tisch wäre, dass die 2021er-EM eine sportliche Farce werden könnte. Auch wenn es hier viel, viel leichter ist, Medaillen zu holen, als dies z.B. 2017 der Fall war. Aber sei es drum. Hier sind alle froh, dass es nach über eineinhalb Jahren wieder losgeht.

Am Ende des ersten Tages stehen zum einen die Freude und Erkenntnis darüber, dass sich Tänzerinnen und Tänzer sowie eine im Laufe des Tages deutlich zunehmende Zahl von Zuschauerinnen und Zuschauern ein gutes Stück freigetanzt und freigeklatscht haben und das klare Bekenntnis des "Hurra, wir tanzen noch!" in der Luft lag, die allen ein sehr gutes Gefühl gegeben hat. Mein erster Eindruck zu Turnierbeginn, dass man nicht so arg viel verpassen wird, wenn man hier nicht live dabei ist, hat sich gewandelt. Doch, man verpasst schon etwas. Keine große, spannende, perfekt organisierte Turnierveranstaltung; aber es könnte sich hier so etwas entwickeln wie "der Geist von Kopenhagen", der allen Anwesenden Kraft und allen Nichtanwesenden Mut geben kann und in das kollektive Gedächtnis eingehen als der Moment, da der gleichgeschlechtliche Tanzsport wiederauferstanden ist. Mögen nicht etwaige Virusvarianten oder politische Maßnahmen dem entgegenstehen.

Nach Aufsetzen der nationalen Brille dürfen wir uns zudem darüber freuen, dass zwei der 5 EM-Titel des ersten Turniertags nach Deutschland gegangen sind. In der Hauptgruppe über 10 Tänze konnten Miriam Meister und Angela Pikarski aus Köln ihren Titel von 2017 (!) verteidigen, und im 10-Tänzeturnier der männlichen Senioren haben Thomas Bensch und Simone Biagini aus Berlin ihrem WM-Gold von 2018 nun ein EM-Gold hinzufügen können. Hinzu kommt EM-Silber für Meister/Pikarski in der Lateinsektion, wo die dänischen Siegerinnen Charlotte Lange und Sandra Thomas das Kunststück vollbrachten, das beste Turnier ihrer Karriere zu tanzen. Auch im Turnier der Hauptgruppe Standard der Männer gab es eine Titelverteidigung von 2017. Damals eine kleine Sensation, war der heutige Sieg von Rafal Chmiela und Grzegorz Dyrda aus Polen heute quasi ein Selbstgänger. Eine "halbe" deutsche A-Finalbeteiligung gab es auch hier. Als mittanzender Sieger der B-Klasse wurde Michael Kraus hier mit seinem dänischen Partner Dritter.

Morgen werden die Hauptgruppen Frauen Standard und Männer Latein im Mittelpunkt stehen. Beide Startlisten sind kurz, aber hochklassig und vielversprechend.

Text: Thorsten Reulen

DVET und DM-Ausrichter schauen gemeinsam in die Glaskugel des Tanzsports

Nach dem Webmeeting am Sonntag, 25.07.2021 bestätigen der DVET und der ausrichtende Verein TSZ Blau-Gold Casino Darmstadt noch einmal den Termin der 16. Internationalen Deutschen Meisterschaften für Frauen- und Männerpaare am Samstag und Sonntag, 30. und 31.Oktober 2021 in Darmstadt.

Angestrebt wird eine Durchführung im gewohnten Modus, also mit Senior*innenturnieren an den Vormittagen, den Hauptgruppenturnieren Frauen Latein und Männer Standard am Samstagnachmittag sowie den Hauptgruppenturnieren Frauen Standard und Männer Latein am Sonntagnachmittag. Angesetzt werden soll außerdem ein Showdance-Wettbewerb für Paare am Sonntag, während auf die Austragung einer DM für Showdance-Gruppen in Darmstadt noch verzichtet werden soll. Die Ausrichter sind bestrebt, am Samstagabend und/oder Sonntagabend im Anschluss an die Turniere eine Social Dance-Veranstaltung anzubieten, was wie viele Details aber von der dann geltenden Corona-Schutzverordnung des Landes Hessen abhängig sein wird.

Geplant ist, die Darmstädter DM als "GGG-Event", also als Veranstaltung für Geimpfte, Genesene und Getestete auszutragen. Anmeldungen für die DM 2021 werden ab Mitte August auf der dann freigeschalteten, aktualisierten Darmstädter DM-Website möglich sein (https://equality.blau-gold-darmstadt.de), wo dann im weiteren Verlauf auch aktualisierte Informationen über die genauen Abläufe zu finden sein werden. Auch spezielle Hoteldeals für Teilnehmer*innen werden dann angeboten werden.

Das DVET-Präsidium und die Organisatoren vor Ort hoffen darauf, eine Deutsche Meisterschaft stattfinden lassen zu können, die gleichzeitig sicher und möglichst wenig einschränkend ist und hoffen auf ein großes Wiedersehen aller deutschen Equality-Turnierpaare und ebenso auf viele ausländische Teilnehmer*innen.

Beitrag von Thorsten Reulen

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Lindlarer Straße 10
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